31. Mai 2020

Fachbereich – First Responder

First Responder Gruppe Nidderau

Was bedeutet „First Responder“?

Wörtlich übersetzt bedeutet es „Der Erst Antwortende“. Es ist aber in der deutschen Sprache sinnvoller, wenn es mit „Der Erst-Eintreffende“ übersetzt wird.

Egal welcher Begriff zur Verwendung kommt, das Ziel ist immer das Gleiche. Es geht um die Überbrückung der Zeit ab dem Eingang des Notrufs bei der Zentralen Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bzw. des Notarztes beim Patienten. Man nennt diese Zeit auch das „therapiefreie Intervall“. Der Gesetzgeber hat hierfür eine „Hilfsfrist“ im Rettungsdienst festgelegt, – welche in Hessen mit 10 Minuten definiert ist. Innerhalb dieser Zeit muss ein Rettungswagen ab der Notrufabfrage beim Patienten eintreffen. Im ländlichen Bereich wird diese Frist des Öfteren bis auf die letzte Minute ausgeschöpft, da oft das nächste Rettungsmittel weiter entfernt ist.

Wenn man bedenkt, dass bei der meist verbreiteten Form des Herzkreislaufstillstandes – dem Herzkammerflimmern – die Überlebensraten um 10% pro Minute sinken, wird einem schnell bewusst, wie wichtig sofortige Hilfe ist und gerade im ländlichen Raum eine First Responder Gruppe, kurz FRG, lebensrettend sein kann.

Bedingt durch den örtlichen und zeitlichen Vorteil erzielt eineFRG im Schnitt mehrere Minuten Vorsprung vor dem Rettungsdienst. Wenn die Rettungswagen der angrenzenden Rettungswachen anderweitig im Einsatz gebunden sind, ist der Vorsprung oft noch größer.

Die First Responder Gruppe Nidderau wird grundsätzlich von der Zentralen Leistelle des Main-Kinig-Kreises (Standort in Gelnhausen) über einen digitalen Meldeempfänger bzw. eine Alarm-SMS alarmiert.

Die wichtigsten Maßnahmen der FRG sind die lebenserhaltenden Basismaßnahmen wie z.B. die richtige Lagerung des Patienten, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Frühdefibrillation, Sauerstoffgabe, Wärmeerhalt, Lagemeldung bei Verkehrsunfällen, etc.

Mit Eintreffen des Rettungsdienstes bzw. des Notarztes wird der Patient an diesen übergeben und die Kollegen in ihren Maßnahmen unterstützt.

Was viele nicht wissen: Unsere Einsatzkräfte investieren ihre Freizeit völlig unentgeltlich und agieren ehrenamtlich, da die Hilfeleistung der FRG von keiner Krankenkasse oder einer anderen staatlichen Institution finanziell übernommen wird. Die Stadt Nidderau erkennt jedoch unsere ehrenamtliche Tätigkeit an und unterstützt uns.

Alarmierung der First Responder Gruppe

DME – Digitaler Meldeempfänger

Die First Responder Gruppe der Feuerwehr Nidderau wird im Einsatzfall immer parallel zum Rettungsdienst/Notarzt alarmiert. Die Einsatzstichwörter können zum Beispeil sein:

  • Reanimation
  • Bewusstlose Person,                                                                               NOTRUF: 112                                                                        
  • Atemnot/Kind,                                                                          Rettungsdienst/Notarzt/Feuerwehr
  • usw…

Eine Alarmierung bei anderen Einsatzindikationen liegt im Ermessen des zuständigen Einsatzsachbearbeiters.

Dies können zum Beispiel sein:

-Atemnot, -Herzinfarkt,- Schlaganfall, -Kindernotfälle, -Verbrennungen,- Verätzungen, -Verbrühungen,  -Stromunfälle, -Vergiftungen, -schwere Verkehrsunfälle oder bei Sturz aus großen Höhen.

Vorteile einer First Responder Gruppe

  • Die First Responder verfügen über gute Ortskenntnis und wesentlich kürzere Anfahrtswege und können daher meist schneller als der Rettungsdienst/Notarzt am Notfallort eintreffen.
  • Der Patient ist nicht auf zufällig geleistete Erste-Hilfe durch Passanten oder Angehörige angewiesen.
  • Das therapiefreie Intervall wird wesentlich verkürzt.
  • Lebensrettende Sofortmaßnahmen können schneller als bisher eingeleitet werden.
  • Schnelle und qualifizierte Lagemeldungen können an die Zentrale Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises abgegeben werden.
  • Durch ein hohes Ausbildungsniveau wird der Rettungsdienst ergänzt.
  • Dem Rettungshubschrauber kann ein Landeplatz empfohlen werden und bei Bedarf wird die Besatzung zur Einsatzstelle transportiert.
  • Bei größeren Einsätzen kann wertvolle Hilfe und Unterstützung geleistet werden.
  • Die Kommunikation zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst wird
    verbessert.

Einsatzgebiet

Das Einsatzgebiet der First Responder Gruppe umfasst das komplette Stadtgebiet von Nidderau.

In der Stadt Nidderau leben aktuell 20.547 Menschen auf einer Gesamtfläche von 46,73 km².

Bildquelle: www.map-one.eu/Nidderau/

Ausbildung & Fortbildung

Alle Einsatzkräfte der First Responder Gruppe der Feuerwehr Nidderau haben mindestens die Ausbildung zum Sanitäter der Feuerwehr (2-wöchige medizinische Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule Hessen). Zusätzlich haben einige Einsatzkräfte die weiterführende Ausbildung zum Rettungssanitäter, Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter absolviert. Zusätzlich werden Weiterbildungen und Fortbildungen z.B. bei der Ausbildung der Feuerwehr an ihrem Ausbildungsabend oder auf Kreisebene durchgeführt.

Ausstattung & Material

Ein First Responder startet vom System her im Privat-PKW zu seinem Einsatz. Ihm steht für seine Tätigkeit ein Notfallrucksack zur Verfügung, welcher im Privat-PKW mitgeführt wird. Ebenfalls steht jedem First Responder auch seine persönliche Schutzkleidung zur Verfügung, die aus einer Softshelljacke, einer Hose und einer Schutzbrille besteht.

Am Beispiel der Stadtteilwehr Heldenbergen ermöglichen wir einen Einblick in die vorgehaltene Ausrüstung an den einzelen Standorten. Dort stehen den First Respondern zwei Fahrzeuge zur Verfügung, um im Einsatzfall zu den First Responder Einsätzen im Stadtgebiet ausrücken zu können.

Auf den weiteren Fahrzeugen der Stadtteilwehr Heldenbergen HLF 20, TSF-W oder GW-L wird ebenfalls Notfallausrüstung mitgeführt. Somit ist gewährleistet das verletzte Personen an einer Einsatzstelle versorgt werden können und der Eigenschutz für unsere Einsatzkräfte sichergestellt ist.